Brocken

Wie eine Insel ragt das Brockenplateau seit 400 Millionen Jahren aus der Weite der norddeutschen Tiefbene unter den grünen Wellen das Harzer Hügellandes heraus. Die Abenddämmerung zaubert auf die dann menschenleerer Höhe eine bizarre Welt. An manchen Abenden hetzt der Wind die Wolken über den Himmel.

Sie werfen sich scheinbar gegenseitig jagende Schattenfiguren auf das Grasland. Die Granitbrocken, die überall auf dem Innendurchmesser 1,2 km
großen Plateau herumliegen, erscheinen im phalen Licht wie Dämonen.
Weit im Westen, am hier wirklich grenzenlosen Himmel, erinnert ein letztes Licht an den vergangenen Tag. Von Osten verschlingt die Nacht allmählich den
Berg. Manchmal erscheint dann das Brockengespenst: riesige Schatten, die die untergehende Sonne an im Osten aufsteigenden Nebelwände wirft.

Der deutsche Berg

Der Brocken konstantierte 1824 Heinrich Heine, ist >>ein Deutscher. Schließlich war es Johann Wolfgang von Goethe, der das deutscheste aller Dramen auf diesem Gipfel verlegte. Der Faust findet seinen Höhepunkt auf dem Brocken. Hier konzentriert sich die angeblich so typische deutsche Sehnsucht nach dem tieferen Sinn, nach mystischen Geheimnissen und nach der Seele der Dinge. Der Brocken bietet Einsamkeit im Nebel der Berge, Weite auf der sturmumtosten Gipfelplatte, Gedränge und lärmende Biersinnlichkeit aus flügelnder Geschichte.

2016-12-14T07:06:24+00:00