Walpurgis im Harz

//Walpurgis im Harz

Walpurgis im Harz

Wenn der Monat April mit seinen Schneestpürmen vorüber ist, in der Nacht zum ersten Mai, der sogenannten Walpurgisnacht, da ziehen von allen Seiten die Hexen und Hexenmeister zum Brocken, um dort mit dem Teufel ein großes Fest zu feiern.
Wie der Wind sausen sie durch die Luft, auf Besenstielen und Ofengabeln, Butterfässern und Baumstämmen, Ziegenböcken und Katzenschwänzen, auf die sie sich rücklinks setzen. Manche nehmen als fliegenden Untersatz auch Menschen, die sie unterwegs treffen. Wen es gelüstet, die seltsamen Reiter zu erspähen, der umgürte seine Brust kreuzweise mit Hanfseilen und setze sich auf einem Kreuzwege unter zwei aneinander gelehnte Eggen.
Das vorüberrauschende Gesindel reißt den Gast meistens mit sich und treibt allerhand Schabernack mit ihm.

Gelingt es aber, einer Hexe ihr Sprüchlein abzulauschen, so mag er sich ruhig in das Gebiet der höllischen Geister auf des Harz Gebirges düstrem Gipfel mit einschleichen. Dichte Nebel umhüllen hier die verkrüppelten Fichten und die wunderlich gestalteten Klippen mit dem Zauberschleier der Nacht. Aus den Brocken Mooren tauchen bläulich flimmernde Irrlichter empor, halb verfaulte Baumstämme schimmern in diesem blassen, unheimlichen Gefunkel. Da plötzlich braust ein gewaltiger Sturm um das kahle Haupt des Berges: Die ersten Hexen rasen heran. Das Geschrei der Nachtvögel wird übertönt von schauerlichen Hexengesang. Sind alle unholden Geister auf dem Brocken angekommen, so kehren sie mit ihrem Besen den Schnee weg, und bald flackert ein lustiges Feuer empor, das mit Ofengabeln zur lodernder Glut entflammt wird. Der Teufel besteigt seine Kanzel und hält eine zündelnde Rede bis auf dem Hexenaltar ein duftendes Mahl bereitet ist, an dem sich alle laben. Der Wein aus dem Hexenbrunnen fließt reichlich, der Teufel geigt auf dem Pferdekopf und pfeifft auf dem Katzenschwanz. In wildem Reigen umkreisen die Hexen ihren Gebieter, so dass nun auch der Teufel mittanzt bis im frühen Morgenlicht alle ermattet zusammenbrechen.

Schon mit dem ersten Hähnekrähen hat der Spuk ein Ende. Die Hexen fliegen von dannen und warten schon auf die nächste neblige Nacht zum ersten Mai.

2016-12-14T07:06:26+00:00