Die Lutter Jungfer

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Die Lutter Jungfer

Eine Legende aus Bad Lauterberg

Die Lutter Jungfer

Unweit der alten Burgstelle auf dem Hausberg von Lauterberg lebte an einem Ort, der Eselsborn genannt wurde, die Lutter Jungfer.

Der Born, ein Brunnen, von dem einst mit Eseln das Wasser zur Burg getragen wurde, war stets verschlossen. Nur die Lutter Jungfer besaß einen Schlüssel, denn sie hütete dort ein wichtiges Geheimnis, das noch heute gern den Kindern erzählt wird. Wenn sich Paare ein Kind wünschten, dann kam sie zum Eselsborn und ihnen wurde aufgetan. An eine lange Brunnenstange behandeln sie eine Semmel und holten damit ein Baby aus dem Brunnen. Auch Kinder kamen zum Eselsborn, wenn sie sich ein Geschwisterkind zum Spielen wünschten. Sie riefen „Schlüsseljungfer, bringen uns ein kleines Brüderchen oder ein Schwesterchen!“, Und manchmal gingen auch ihre Wünsche in Erfüllung. Umgezogenen Kindern wird hingegen noch heute oft bedrohte: „wenn er nicht still und brav seid, bringen wir euch zurück zum Eselsborn. Denn man brauchte sich nur vor dem Brunnen zu stellen und „duck, duck, duck !“Zu rufen, schon kamen die Esel heraus und holten die Kinder wieder hinein. An manchen Tagen, im Frühjahr oder im Herbst, stieg die Lutter Jungfer vom Hausberg herab, um in der Lutter ihre Schleier zu waschen, doch sie wurden in den ersten Köhler meist nur schwer wieder trocken. Deshalb sagt man in Bad Lauterberg auch, wenn es die ganze Woche lang in Nacht und Nebel dick gewesen ist: zum Wochenende muss es wieder schön werden, schließlich will doch die Lutter Jungfer ihren Schleier am Sonntag tragen!

Einmal beobachtete an einem Ostermorgen ein junger Mann die Jungfer beim waschen ihrer Schleier. Freundlich sprach er sie an, doch das brachte ihm nur eine kräftige Mauschele ein. Die Lutter Jungfer verschwand am. Hätte sie der Jüngling aus Lauterberg nicht angesprochen, wäre sie vielleicht erlöst worden, denn am Ostermorgen keinen so mancher Zauber in Erfüllung gehen. Doch so muss sie wieder das Geheimnis des Eselsborn und das Haus Bergshütten und darauf warten, eines Tages doch noch erlöst zu werden. Nur alle sieben Jahre bekommt sie dazu eine neue Gelegenheit.

Der Brunnen vor der Burg

Viel ist von der ehemaligen Burg Lutterberg auf dem Hausberg nicht erhalten geblieben. Die Reste des Brunnens aber sind noch zu sehen, obwohl er mittlerweile verschüttet ist. Noch bis in die 1900 Dreißigerjahre oder aus dem Brunnenwasser für das Burgrestaurant auf dem Berg geschöpft. Der Brunnen wurde wohl gut 100 m unterhalb des ehemaligen Burgplateaus angelegt, weil man an dieser Stelle eine Wasserader im Bergamt festgestellt hatte. Seine Tiefe wird auf mindestens 50 m geschätzt, genauer Messungen gibt es nicht. Der Schacht wurde von einer Wahlanlage umschlossen (deren Reste ebenfalls noch erkennbar sind), die ihrerseits wiederum zwischen den beiden Bugwellen lag. Bis um das Jahr 1900 wurde das Wasser mithilfe eines Esels hinge aufgezwungen-so entstand in der Lage der Namen des Brunnens: Eselsborn.

2016-12-14T07:06:30+00:00